​Im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis

Kordts-Freudinger

Robert Kordts-Freudinger besetzt seit Oktober 2014 eine Junior-Professur für Pädagogische Psychologie mit dem Forschungsschwerpunkt auf hochschulischem Lehren und Lernen an der Universität Paderborn. Die Stelle hat eine starke empirische, hochschuldidaktische Ausrichtung mit psychologischer Perspektive.

WiHo-Redaktion: Wie kam es, dass Sie sich mit Wissenschafts- und Hochschulforschung beschäftigt haben? Gab es ein zentrales Ereignis/eine bestimmte Erfahrung?
Kordts-Freudinger: Zur Hochschulforschung kam ich über die realen Erfahrungen, dass z. B. an deutschen Hochschulen die Praxis des Lehrens und Lernens oft nicht mit dem wissenschaftlichen Wissen darüber vergleichbar ist.

WiHo-Redaktion: Können Sie Theorie und Praxis in Ihrer Lehre besser miteinander verzahnen?
Kordts-Freudinger: Ich sehe es vor allem als meine Aufgabe, die praktischen Erfahrungen der Lehramtsstudierenden z. B. in Praktika mit theoretischem, überwiegend pädagogisch-psychologischem Wissen anzureichern. Dabei ist mir besonders wichtig, dass die Studierenden ihre Praxiserfahrungen mit ihrem theoretischen Wissen abgleichen. Daraus können Sie Ideen für zukünftiges professionelles Handeln generieren.

WiHo-Redaktion: Was ist derzeit Ihr zentrales Forschungsprojekt und welchen gesellschaftlichen Bezug hat es?
Kordts-Freudinger: In unserem wichtigsten Projekt untersuchen wir die Emotionen von Hochschullehrenden, ihre Entstehung, ihre Rahmenbedingungen und wie Lehrende mit ihnen umgehen. Wenn wir auch bisher vor allem Grundlagenforschung betreiben, sollen sich zukünftig aus den Ergebnissen auch direkt Empfehlungen zum Umgang mit Ärger oder Stress etc. ableiten lassen; ein Thema, das für Schullehrer/-innen bereits vielfältig diskutiert wird, für Hochschullehrende allerdings bisher weniger.

WiHo-Redaktion: Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Themen der kommenden Jahre in der WiHo-Forschung?
Kordts-Freudinger: Neben der Erforschung der zentralen Akteure im Hochschulsystem auf der Mikro-Ebene (Studierende, Forschende und Administration) wird in Zukunft sicher die Verknüpfung dieser Ebene mit Meso- (Organisation) und Makro-Ebene (nationale Hochschulsysteme) einen höheren Stellenwert gewinnen. Hierfür benötigen wir sicher auch neue Forschungsmethoden.

WiHo-Redaktion: Wo sehen Sie Deutschland in der WiHo-Forschung im internationalen Vergleich? Was könnten wir von welchen Ländern lernen?
Kordts-Freudinger: Echte Multi- oder Interdisziplinarität sehe ich in Deutschland bisher selten als erfolgreichen Ansatz. Hier können wir vermutlich von anderen Ländern lernen, in denen stärker zur Themen- und Methodenvielfalt ermutigt wird.